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Springbank Dist.

Springbank Distillery

Springbank Distillery


Springbank ist eine ganz besondere Destillerie. Neben Glen Scotia und Glengyle (Kilkerran) ist sie eine der letzten drei verbliebenen Campbeltown-Destillerien. Außerdem ist Springbank neben Glenfiddich und Glenfarclas der letzte unabhängige Familienbetrieb im schottischen Destillerie-Gewerbe. Erbaut 1828 und 1837 übernommen von der Mitchell-Familie ist sie seither im Familienbesitz verblieben und wird heute in siebter Generation von ihr geführt.

Auf der Halbinsel Kintyre, die eine Hochburg der Schwarzbrenner war, gab es früher über 30 Brennereien. Die Namen der nicht mehr existierenden Brennereien Longrow und Hazelburn lässt man bei Springbank weiterleben. Mit den flexiblen Anlagen werden heute hier drei völlig verschiedene Single Malts hergestellt.


Bei Springbank macht man vom Mälzen bis hin zur Abfüllung alles selbst und alles vor Ort. Auch das gibt es nur noch äußerst selten unter Schottlands Destillerien. Die Malting Floors erstrecken sich über drei Etagen. Auf der mittleren Etage zeigt uns Destillerie-Mitarbeiter Robert einen neuen Rohstoff. Es sind die ersten Lieferungen „Wikinger-Gerste“, eine sehr alte und urwüchsige Gerstensorte, die von den Wikingern nach Schottland gebracht wurde. Dieses traditionsreiche Korn wird in Kürze gemälzt für einen neuen Whisky, den wir selbstverständlich erst in vielen Jahren probieren werden können.

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ins Destillerie-Gelände
Innenhof
Springbank Malting Floor
Wikinger-Gerste

Nach dem Vorkeimen auf den Malting-Floors wird der Keimprozess im richtigen Moment im Kiln gestoppt. Das Herzstück ist der Ofen, in dem mit Torffeuer der Rauch erzeugt wird, der den einzigartigen Geschmack liefert. An den Torf-Ofen grenzt eine Räucherkammer, die den Rauch unter dem Malz verteilt. Geruch und Eindruck der geschwärzten Wände gleichen einer Räucherkammer, wie man sie für unsere Thüringer Wurst kennt. Das Malz liegt auf feinen Gitterrosten über der Rauchkammer. Nachdem der Rauch die Gitterroste und das Malz durchströmt hat, entweicht er durch die markanten Pagodendächer. Je nach Whiskysorte wird das vorgekeimte Getreide unterschiedlich lange dem Rauch ausgesetzt – für Springbank 6 Stunden, für Longrow 44 Stunden, für Hazelburn gar nicht – und wird anschließend mit Warmluft bis zum gewünschten Röstgrad getrocknet.

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der Torf-Vorrat
zum Torf-Ofen
Feuerung des Kilns
Unterseite der Siebe

Das fertige Malz wird in den benachbarten Malzsilos eingelagert. Die Silos laufen unten konisch zu. Über die Förderbänder in den angeschlossenen Kanälen wird die jeweils benötigte Sorte und Menge zur Schrotmühle gebracht. Diese in vielen Destillen noch immer eingesetzten historischen Modelle waren ursprünglich für den Betrieb mit Dampfmaschinen ausgelegt und werden daher mit komplizierten, riesigen Riementriebwerken angetrieben. Nur daß an der Quelle der Drehbewegungen statt der Dampfmaschine heute ein Elektromotor sitzt.
In der Mash Tun wird das geschrotete Malz mit Wasser vermischt und erhitzt. Dabei lösen sich die Malzzucker und die Aromen im Wasser. Auf dem Foto erkennt man das Rührwerk, den kegelig nach unten zulaufenden Boden und die Sieb-Schlitze im Boden, mit denen schließlich die festen von den gelösten Bestandteilen getrennt werden.

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Malz-Silos
Malz-Mühle
Mash Tun
Mash Tun Rührwerk

Die Malzzuckerlösung wird in die hölzernen Gärbottiche („washbacks“) gepumpt und mit Hefe versetzt. Hier kann man in jedem Bottich ein anderes Gärstadium beobachten, je nachdem wieviele Stunden oder Tage der Ansatz alt ist. Wenn die Gärung beendet ist, hat das „beer“ einen Alkoholgehalt von etwa 7%vol.

Der Destillationsprozess beginnt in der Wash Still. Springbanks Wash Still hat ein Fassungsvermögen von 20.000 Litern und wird direkt befeuert. Der Alkoholgehalt der vergorenen Lösung erhöht sich hier auf 21 bis 28%vol. Dieses erste Destillationsergebnis wird "low wines" genannt und im Tank gesammelt, wo es die zweite Destillation erwartet. Im Bild sichtbar: Der rote Tank ist der Wash Charger mit 22.453 Litern, der weiße Tank ist der Sammelbehälter für die Low Wines und Feints und fasst 13.511 Liter.

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Springbank Washbacks
die drei Stills
Wash Still
Tanks für Zwischenstufen

Springbank hat zwei Spirit Stills mit je 12.274 Litern, beide werden mit Dampfheizungsschlangen befeuert („coils“). Das hat den Vorteil der feineren Steuerbarkeit der Destillationsprozesse. Hier kommt nun eine weitere Besonderheit, die es nur bei Springbank gibt. In der zweiten Brennblase werden die low wines zu „feints“ destilliert. Eine Mischung aus 80% feints und 20% low wines kommt in die dritte Brennblase und wird noch einmal destilliert. Springbank nennt dies „zweieinhalbfache Destillation“ und erzeugt damit einen besonderen, weichen Whisky. Für den Longrow wird die Destillation – wie sonst in Schottland üblich – nur zweimal durchlaufen, für den torfrauchfreien Hazelburn dagegen dreimal komplett.
Die Trennung der Destillate, das Abtrennen von Vorlauf und Nachlauf und die Kontrolle von Beschaffenheit und Alkoholgehalt erfolgt am verschlossenen Spirit-Safe. Das fertige Destillat wird schließlich in den Edelstahltank an der Fassabfüllung geleitet.

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Spirit Stills
Spirit Safe
Spirit Safe & Feints Tanks
Fass-Abfüllung

Wenn der Roh-Whisky die Brennblasen verlässt, hat er einen Alkoholgehalt von über 70%vol. Würde man das Destillat in dieser Stärke in die Fässer füllen, bräuchte man deutlich weniger Fässer, und Fässer sind einer der größten Kostenfaktoren. Aber der Whisky würde entsprechend weniger Einfluss des Holzes aufnehmen und die Reifung würde nicht optimal verlaufen. Daher wird das Destillat vor der Fassabfüllung je nach Philosophie der Destillerie auf etwa 60%vol herabverdünnt.
Sehr großen Einfluss auf den fertigen Whisky hat die Art der Fässer. Dabei spielen Holz, Größe und vorher enthaltenes Produkt eine Rolle. Für schottischen Whisky werden (so gut wie) ausschießlich gebrauchte Fässer zur Lagerung verwendet.

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versch. Fassgrößen
Schablonen
Stöpsel
gefüllte Fässer

Schließlich werden die Fässer in die Warehouses gebracht, wo sie sehr viel Zeit verbringen werden. Der Geruch in den Warehouses ist umwerfend köstlich. Während der Reifung verdunstet beständig ein kleiner Teil des Inhalts durch die Holzwandung. In sehr alten Fässern findet man manchmal weniger als die Hälfte der ursprünglichen Füllung. Der Teil, der so verschwindet, wird „angel’s share“ genannt – der Anteil, den die Engel bekommen.

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im Warehouse
im Warehouse
im Warehouse im Warehouse

Bei Springbank macht man alles selbst – bis hin zur Abfüllung. Sofern es sich nicht um eine Single Cask Abfüllung handelt, werden für den jeweils abzufüllenden Whisky die am besten geeigneten Fässer in den Warehouses ausgewählt und in einem großen Holzfass vor der Abfüllung „gevattet“. Das heißt, die Fässer werden zusammen in das große Sammelfass entleert und auf die gewünschte Abfüllstärke herunterverdünnt. Nach der Reifezeit gleicht kein Fass dem anderen. Um den gewünschten gleichbleibenden Charakter des Single Malts zu erhalten, werden die Fässer beim Vatting entsprechend ausgewählt und vermählt.

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zur Abfüllanlage
Fass für das Vatting
Abfüllstrecke
fertig

Das ist dann endlich der fertige Whisky, und der wird mit viel Handarbeit an der kleinen Abfüllstrecke in die Flaschen gefüllt, verschlossen, etikettiert, in Kartons verpackt, auf Paletten gestapelt und ins beowein-Lager verschifft.

Text Christian Meißner
Fotos Dorothée Rheinländer
(vom Destillerie-Besuch am 4. Oktober 2012)

=> Zu den Whiskys von Springbank